Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.
Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. 

 

Vorträge 2018

 

Montag, den 25. Juni 2018 

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Das archäologische Fundmaterial aus dem Eiskeller des Schlosses Agathenburg in Stade

 

von Katharina Ostrowski

(Preisträgerin des Deutschlandstipendiums 2017)

 

 

Die Abschlussarbeit beschäftigt sich mit der Auswertung des archäologischen Fundmaterials aus dem Eiskeller des Schlosses Agathenburg bei Stade und der Interpretation im Bezug auf die Alltagskultur auf ländlichen Adelssitzen und Amtssitzen vom 17. bis 19. Jahrhunderts. Das Schloss selbst wurde von dem bedeutenden schwedischen Grafen Hans Christoph von Königsmarck (1605 – 1663) 1652 errichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts wird es an das Königreich Hannover verkauft und als Amtssitz genutzt. Ein Jahrhundert später wird das Schloss verpachtet, heute befindet sich dort der Sitz des Stader Geschichts- und Heimatvereins, 1985 wird es an den Landkreis Stade verkauft. Schriftliche Quellen belegen die wechselhafte Geschichte der Bewohner des Schlosses, die qualitativ hochwertige Ausstattung und den wiederholten Verfall.

Bei Sanierungsarbeiten Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre wurden neben einer Gruft in der barocken Gartenanlage und verfüllten Abortanlagen auch der Kellerbereich archäologisch erschlossen. Im Keller befand sich ein bis an den Rand verfüllter und versiegelter Eiskellerschacht aus Backsteinen. Im angrenzenden Bereich eines Weinkellers wurden zudem im Jahr 2000 verschiedene Streufunde aufgelesen. Die Aufarbeitung des reichhaltigen und vielfältigen Fundmaterials beider Befunde bietet die Möglichkeit, die Alltagskultur eines ländlichen Adelssitzes, Amtssitzes und seiner Bewohner nachzuzeichnen und den frühen Konsum von Luxusgütern und Gebrauchswaren nachzuvollziehen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die Menschen dieser Zeit in ihrem spezifischen sozialen Kontext gelebt haben und welche Möglichkeiten die Archäologie zur Beantwortung dieser Frage bietet.

 

 

Zur Vortragenden: Geboren am 25.07.1987 in Breslau, seit ca. 1991 wohnhaft in Deutschland, aufgewachsen und zur Schule gegangen in Pforzheim.

Abitur am Hebelgymnasium in Pforzheim (Baden-Württemberg), im Juni 2007

Oktober 2008 – Oktober 2009: Bachelor-Studium, Hauptfach Europäische Ethnologie, Nebenfach Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.

Oktober 2009 – September 2012: Wechsel des Hauptfachs zu Archäologische Wissenschaften, mit dem Nebenfach Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.; Abschlussarbeit zum Thema: „Beschläge und Applikationen von der Burg Cucagna. Befundzusammenhänge, Deutungsmöglichkeiten und Aussagewert“

Seit Oktober 2012: eingeschrieben im Masterstudiengang Prähistorische und Historische Archäologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, zusätzlich Erwerb des Zertifikats für Osteuropa-Studien am Zentrum für Osteuropa-Studien der CAU Kiel

Februar – Juni 2014: Auslandsaufenthalt im Rahmen des Erasmus-Programms an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen, Studienfach Archäologie. 2017 erhielt sie das von der AGSH geförderte Deutshlandstipendium.

Montag, den 28. Mai 2018

 

 um 19.30 Uhr

 

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Mit Einbaum und Paddel zum Fischfang

von Dr. Stefanie Klooß (Schleswig)

 

 

Der Vortrag befasst sich mit Holzartefakten von endmesolithischen und frühneolithischen Küstensiedlungsplätzen an der südwestlichen Ostseeküste. In diesem Artikel werden die Geräte zum aktiven und passiven Fischfang präsentiert, um die Bedeutung des Fischfangs für die Subsistenz der Menschen während der Phase der Neolithisierung im Verbreitungsgebiet der der Ertebølle-Gruppen und der nördlichen Trichterbecherkultur zu belegen. Die Untersuchung der Aalstecher, Reusen, Fischzäune, Einbäume und Paddel ermöglicht Schlussfolgerungen über deren Herstellungs- und Funktionsweise sowie deren typische Charakteristika. Insbesondere wird die bisher nur in der Ertebøllezeit nachgewiesene Bauweise der Korbreusen aus Spaltstäben des Roten Hartriegels (Cornus sanguinea) und des Schneeballstrauches (Viburnum opulus) vorgestellt. Die Ergebnisse der dendrologischen Analysen zeigen darüber hinaus den damaligen hohen technischen und handwerklichen Standard. Weiterhin können die gezielte Produktion von Holzrohstoffen und damit kleinteilige Eingriffe in die Waldvegetation nachgewiesen werden. Die intensive Nutzung der stationären Fischfanganlagen impliziert das Zusammenwirken einer größeren Gruppe von Menschen und eine stabile soziale Ordnung. Mit dem Beginn des

Frühneolithikums (FN I a) ist noch keine deutliche Veränderung des Siedlungssystems oder der Subsistenzwirtschaft zu erkennen.

 

Zur Vortragenden:

Dr. Stefanie Klooß studierte Ur- und Frühgeschichte, Botanik und Geologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort absolvierte sie auch die Ausbildung zum archäologischen Forschungstaucher. Sie spezialisierte sich auf die Untersuchung von pflanzlichen Resten aus archäologischen Ausgrabungen und forscht in den Themenfeldern Nutzung von Holz- und Wildpflanzenressourcen, Fischfang, Landwirtschaft und Ernährung in prähistorischen Gesellschaften.

 

Montag, den 23. April 2018

 

um 19.30 Uhr 

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

„Zum Goldenen Anker“ – 500 Jahre Gastlichkeit in Harburg

Von der Preisträgerin des Archäologiepreises 2017

Janna Kordowski M.A.

Gasthäuser gehörten ab dem ausgehenden Mittelalter neben Kirche und Rathaus zu den zentralen öffentlichen Einrichtungen einer Stadt. Als Orte des öffentlichen Konsums und der Geselligkeit sowie als Knotenpunkte für Interaktionen in der Gemeinschaft und mit Reisenden vereinen sie vielfältige Aspekte des sozialen Lebens. Die Beschäftigung mit Gasthäusern kann somit einen weiten Einblick in die sozialen Praktiken der vormodernen Gesellschaft liefern. Trotzdem stehen sie bislang nicht wie andere Orte des öffentlichen Lebens im Fokus der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. Das Archäologische Museum Hamburg, Abteilung Bodendenkmalpflege, untersuchte 2013 unter der Leitung von Philip Lüth in Harburg in der Schloßstraße das historisch für das 19. Jh. nachgewiesene Gasthaus „Zum Goldenen Anker“. Die baulichen Reste von fünf aufeinanderfolgenden Häusern reichen sogar bis in das 15. Jh. zurück. Während der Ausgrabung konnten über 5000 Funde geborgenen werden, die einen kleinen Einblick in das Leben und Arbeiten der verschiedenen Besitzer geben. Die Preisträgerin des Archäologiepreises 2017, Janna Kordowski, verarbeitete diese dokumentierten Ergebnisse in ihrer Masterarbeit, die sie bereits kurz am Tag der Archäologie im November 2017 in kurzem Umfang vorgestellt hat. Im Rahmen unseres Abendvortrages hören wir nun die etwas ausführlichere Version.

 

 

Zur Vortragenden:

Janna Kordowski ist am 10. August 1989 in Neumünster geboren und dort auch aufgewachsen. Nach dem Abitur zog sie zum Studium nach Kiel und studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Bachelorstudium Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte, im Masterstudium widmete sie sich voll und ganz der Ur- und Frühgeschichte.

 

 

Dienstag, den 10. April 2018 

um 18:30 Uhr

zusammen mit dem Förderverein des

Archäologischen Landesmuseums e.V.

im Vortragssaal auf Schloss Gottorf in Schleswig

Expedition Wikinger

 

von Barbara Lipsky-Post und Stefan Lipsky

 

Fast vier Jahre und etwa 30.000 Kilometer sind die Journalisten Barbara Post und Stefan Lipsky durch Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen auf den Spuren der Nordmänner – und Frauen unterwegs gewesen. Sie wollten die Magie der Orte jener Zeit, die in Büchern beschrieben werden, selbst spüren.

Aber sie wollten auch nach nur selten erwähnten Plätzen suchen, an denen Geschichte in der Wikingerzeit geschrieben wurde: So findet man Spuren eines 500 m langen, gegrabenen Kanals auf der dänischen Insel Samsø. Die Reste einer 760 m langen Eichenholzbrücke im jütländischen Ravning oder einen alten, gepflasterten Straßenzug im seeländischen Risby.

Dabei stießen die Journalisten auf ein spannendes Phänomen: Die Welt der Wikinger ist auch heute kein abgeschlossenes Kapitel. Neue Funde und Erkenntnisse fügen dem Bild immer neue Facetten hinzu und verändern es. Man denke an die enorme Mobilität der Menschen jener Zeit. In der Wikingerzeit fand bereits etwas statt, was wir heute Globalisierung nennen.

Ziel dieser Expedition war es auch, in Wort und Bild zu dokumentieren, um einen Reiseführer zu den Stätten der Wikinger zu veröffentlichen. Unter dem Titel „Faszination Wikinger“ ist dieses Buch im Theiss-Verlag erschienen. Die wichtigsten zweihundert Plätze, zwischen Hamburg und dem Polarkreis, an denen die Spuren der Wikinger heute noch zu sehen sind, werden in diesem Buch dargestellt.

 

Montag, den 26. Februar 2018

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Landschaftsentwicklung in Haithabu: unerwartete Funde in der wikingerzeitlichen Metropole

 

Svetlana Khamnueva (Kiel)

 

Ehemalige Siedlungen sind ein wichtiges Archiv zur Rekonstruktion von Mensch-Umwelt-Interaktionen. Haithabu war in der Wikingerzeit ein bedeutendes internationales Handelszentrum und eine der ersten urbanen Siedlungen in Nordeuropa und Skandinavien. Obwohl durch langjährige archäologische Untersuchungen viele Informationen über die Entwicklung Haithabus sowie die Lebensweise seiner Einwohner gewonnen wurden, steht unser Wissen über die Landschaftsentwicklung Haithabus erst am Anfang. Insbesondere der Bereich am Haithabu-Bach im westlichen Teil der Siedlung wurde bisher gar nicht untersucht. Die durch die Arbeitsgruppe Ökosystemforschung und Geoarchäologie an der CAU Kiel durchgeführten Untersuchungen haben gezeigt, dass das Ausmaß der Landschaftsveränderungen durch den Menschen wesentlich größer und vielschichtiger ist, als bisher angenommen wurde.

Mithilfe von Bohrprofilen und statistischen Analysemethoden konnten heterogene und komplexe Kulturschichten und Siedlungsablagerungen zum ersten Mal klassifiziert werden. Darauf basierend wurde die Stratigrafie der Sedimente am Haithabu-Bach ermittelt. Ein mächtiges mit Sedimenten gefülltes Tal aus der Wikingerzeit wurde direkt am Haithabu-Bach entdeckt. Die Forschungsergebnisse weisen auf eine anthropogene Entstehung des Tals hin. Detaillierte geochemische und mikromorphologische Analysen sowie Radiokarbondatierungen ermöglichten die Rekonstruktion der Phasen vor der Entstehung der Schlucht bis hin zur Verfüllung des Tals seit dem frühen Mittelalter bis heute. Die Existenz dieses breiten und tiefen Tals im zentralen Bereich der Siedlung muss eine bedeutende Rolle bei der räumlichen und funktionellen Aufteilung Haithabus gespielt haben. Mit welchem Zweck solch eine Struktur im zentralen Bereich der Siedlung geschaffen wurde, lässt sich aktuell noch nicht zweifelsfrei klären. Mehrere Hypothesen werden derzeit diskutiert: von der Optimierung des Süßwassermanagements hin zur Materialentnahme für verschiedene Siedlungsaktivitäten. In den späteren Siedlungsphasen scheint sich die Nutzung des Tals jedoch hin zur Entsorgung von Abfällen verschiedenster Art verändert zu haben.

Es ist die Fortsetzung des Vortrages vom 5.2.2015, als Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Svetlana Khamnueva und Jann Wendt (Kiel) dieses gemeinsame Projekt begonnen haben. Der damalige Vortrag hieß: Neue Untersuchungen zu den Oberflächenformen von Haithabu. Oder: Wie aus einer tiefen Schlucht das Tal des Haithabu-Baches wurde. Ebenfalls zu lesen in den ANSH 2015. Die Ergebnisse werden in den ANSH 2018 zu lesen sein.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung tragen zu einem besseren Verständnis der Landnutzung und der anthropogenen Landschaftsveränderungen in Haithabu bei und sind relevant für geoarchäologische Untersuchungen in anderen proto-urbanen wikingerzeitlichen Siedlungen.

 

Zur Vortragenden: Svetlana Khamnueva und ist in Russland aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie begann 2004 mit dem Studium an der Fakultät für Bodenkunde in Moskau. 2009 kam sie mit einem Stipendium des DAAD (Deutschen Akademischen Austauschdienstes) nach Kiel und absolvierte dort ihr Masterstudium „Environmental Management“ an der CAU in Kiel. Sie promovierte danach am Institut für Ökosystemforschung (ebenfalls Kiel) und beendete ihre Dissertation im letzten Jahr.

 

Montag, den 29. Januar 2018

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Viren in der alten DNA oder auch die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Julian Susat (Kiel)

Julian Susat beschäftigt sich mit der Detektion von Viren/viralen Nukleinsäuren in alten DNA (aDNA) Proben. Schon in seiner Masterarbeit versuchte er virale Sequenzen auf bioinformatischer Ebene in den Proben nachzuweisen. Dabei hat sich gezeigt, dass nur eine sehr sorgfältige manuelle Kontrolle einen positiven Nachweis erbringen kann. Eine weitere Hürde in diesem Forschungsgebiet ist das nicht alle Viren in Knochen- oder Zahnproben vorhanden sind. Um das Virus in diesen Proben nachweisen zu können, muss es in der Lage sein über den Blutkreislauf in die Knochen oder die Zähne gelangen. Bisher ist das Feld der sogenannten Paleovirologie/aDNA Virologie auch sehr übersichtlich, da bisher nur eine Handvoll positiver Ergebnisse beschrieben wurde.

Zum Vortragenden: Julian Susat studierte in Hannover Pfanzenbiotechnologie und schloss dort sein Studium mit einem Bachelor ab. Danach wechselte er für sein Masterstudium der Biologie an die Universität nach Kiel. Dort promoviert er seit 2016. 

 

 

Das zuvor angekündigte Thema "Zahnstein – eine Zeitkapsel in die Vergangenheit" mit

Sabin Kornell (Kiel) wird zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt!

 

 

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