Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.
Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. 

 

Vorträge 2018

 

 

Montag, den 26. Februar 2018

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Landschaftsentwicklung in Haithabu: unerwartete Funde in der wikingerzeitlichen Metropole

 

Svetlana Khamnueva (Kiel)

 

Ehemalige Siedlungen sind ein wichtiges Archiv zur Rekonstruktion von Mensch-Umwelt-Interaktionen. Haithabu war in der Wikingerzeit ein bedeutendes internationales Handelszentrum und eine der ersten urbanen Siedlungen in Nordeuropa und Skandinavien. Obwohl durch langjährige archäologische Untersuchungen viele Informationen über die Entwicklung Haithabus sowie die Lebensweise seiner Einwohner gewonnen wurden, steht unser Wissen über die Landschaftsentwicklung Haithabus erst am Anfang. Insbesondere der Bereich am Haithabu-Bach im westlichen Teil der Siedlung wurde bisher gar nicht untersucht. Die durch die Arbeitsgruppe Ökosystemforschung und Geoarchäologie an der CAU Kiel durchgeführten Untersuchungen haben gezeigt, dass das Ausmaß der Landschaftsveränderungen durch den Menschen wesentlich größer und vielschichtiger ist, als bisher angenommen wurde.

Mithilfe von Bohrprofilen und statistischen Analysemethoden konnten heterogene und komplexe Kulturschichten und Siedlungsablagerungen zum ersten Mal klassifiziert werden. Darauf basierend wurde die Stratigrafie der Sedimente am Haithabu-Bach ermittelt. Ein mächtiges mit Sedimenten gefülltes Tal aus der Wikingerzeit wurde direkt am Haithabu-Bach entdeckt. Die Forschungsergebnisse weisen auf eine anthropogene Entstehung des Tals hin. Detaillierte geochemische und mikromorphologische Analysen sowie Radiokarbondatierungen ermöglichten die Rekonstruktion der Phasen vor der Entstehung der Schlucht bis hin zur Verfüllung des Tals seit dem frühen Mittelalter bis heute. Die Existenz dieses breiten und tiefen Tals im zentralen Bereich der Siedlung muss eine bedeutende Rolle bei der räumlichen und funktionellen Aufteilung Haithabus gespielt haben. Mit welchem Zweck solch eine Struktur im zentralen Bereich der Siedlung geschaffen wurde, lässt sich aktuell noch nicht zweifelsfrei klären. Mehrere Hypothesen werden derzeit diskutiert: von der Optimierung des Süßwassermanagements hin zur Materialentnahme für verschiedene Siedlungsaktivitäten. In den späteren Siedlungsphasen scheint sich die Nutzung des Tals jedoch hin zur Entsorgung von Abfällen verschiedenster Art verändert zu haben.

Es ist die Fortsetzung des Vortrages vom 5.2.2015, als Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Svetlana Khamnueva und Jann Wendt (Kiel) dieses gemeinsame Projekt begonnen haben. Der damalige Vortrag hieß: Neue Untersuchungen zu den Oberflächenformen von Haithabu. Oder: Wie aus einer tiefen Schlucht das Tal des Haithabu-Baches wurde. Ebenfalls zu lesen in den ANSH 2015. Die Ergebnisse werden in den ANSH 2018 zu lesen sein.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung tragen zu einem besseren Verständnis der Landnutzung und der anthropogenen Landschaftsveränderungen in Haithabu bei und sind relevant für geoarchäologische Untersuchungen in anderen proto-urbanen wikingerzeitlichen Siedlungen.

 

Zur Vortragenden: Svetlana Khamnueva und ist in Russland aufgewachsen und zur Schule gegangen. Sie begann 2004 mit dem Studium an der Fakultät für Bodenkunde in Moskau. 2009 kam sie mit einem Stipendium des DAAD (Deutschen Akademischen Austauschdienstes) nach Kiel und absolvierte dort ihr Masterstudium „Environmental Management“ an der CAU in Kiel. Sie promovierte danach am Institut für Ökosystemforschung (ebenfalls Kiel) und beendete ihre Dissertation im letzten Jahr.

 

Montag, den 29. Januar 2018

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Viren in der alten DNA oder auch die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
Julian Susat (Kiel)

Julian Susat beschäftigt sich mit der Detektion von Viren/viralen Nukleinsäuren in alten DNA (aDNA) Proben. Schon in seiner Masterarbeit versuchte er virale Sequenzen auf bioinformatischer Ebene in den Proben nachzuweisen. Dabei hat sich gezeigt, dass nur eine sehr sorgfältige manuelle Kontrolle einen positiven Nachweis erbringen kann. Eine weitere Hürde in diesem Forschungsgebiet ist das nicht alle Viren in Knochen- oder Zahnproben vorhanden sind. Um das Virus in diesen Proben nachweisen zu können, muss es in der Lage sein über den Blutkreislauf in die Knochen oder die Zähne gelangen. Bisher ist das Feld der sogenannten Paleovirologie/aDNA Virologie auch sehr übersichtlich, da bisher nur eine Handvoll positiver Ergebnisse beschrieben wurde.

Zum Vortragenden: Julian Susat studierte in Hannover Pfanzenbiotechnologie und schloss dort sein Studium mit einem Bachelor ab. Danach wechselte er für sein Masterstudium der Biologie an die Universität nach Kiel. Dort promoviert er seit 2016. 

 

 

Das zuvor angekündigte Thema "Zahnstein – eine Zeitkapsel in die Vergangenheit" mit

Sabin Kornell (Kiel) wird zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt!

 

 

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