Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.
Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. 

 

Vorträge 2019

 

Montag, den 27. Mai 2019

 

Vortrag: um 19.30 Uhr

 

im Hörsaal des

Institutes der Ur- und Frühgeschichte

 der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Johanna-Mestorf-Str. 2-6

24118 Kiel

 

Die Rolle des Opferkultes im 1. Jahrtausend n. Chr. in Nordeuropa

 

von Ann-Theres Sinn (Kiel)

 

Der (Opfer-)Kult drückt eine besondere Beziehung zwischen dem Menschen und dem Übernatürlichen, den Göttern und Wesenheiten aus. Dieser (Opfer-)Kult wird für die Archäologie erst durch für uns sichtbare, d. h. materielle Funde, manifest. Eine große Rolle scheint dabei den sog. Opfer-Mooren zuzukommen, wie Nydam oder Thorsberg, die aufgrund der archäologischen Funde als solche angesprochen werden.

Doch auch bei der Niederlegung von Tieren oder Menschen wird oftmals von einem Opfer gesprochen – das, was nicht zureichend erklärt werden kann, wird schnell als kultisch angesprochen. Erschwerend kommt hinzu, dass bislang in Forschungskreisen kein einheitlicher Begriff von Opfer oder Kult verwendet wird und die Einordnung verschiedener Funde also auf subjektivem Empfinden der untersuchenden Wissenschaftler beruht.

In diesem Vortrag soll der Versuch unternommen werden, sich dem Begriff des Opferkultes kritisch anzunähern und sowohl auf dessen Merkmale, als auch Motivationen der Opfernden selbst hinzuweisen. Dabei wird nicht nur eine theoretische Grundlage erarbeitet, sondern auch auf archäologische (Be-)Funde hingewiesen, die eventuell in einem kontextuellen Zusammenhang zum Opferkult stehen könnten.

 

Zur Vortragenden: Anna-Theres Sinn studiert in Kiel Philosophie und Ur- und Frühgeschichte, Islamwissenschaften und Pädagogik. Unter anderem studierte sie auch ein Jahr in den Niederlanden zusätzlich Psychologie. Zum jetzigen Zeitpunkt schreibt sie ihre Bachelor-Arbeit bei Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim und Dr. Sven Kalmring über anthropomorphe Spielsteine der Wikingerzeit. Seit Ende 2018 ist sie Trägerin des Deutschlandstipendiums und wird von der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, dort ist sie seit fast drei Jahren Mitglied, gefördert. Sie ist zertifizierte Sondengängerin am Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein und arbeitet regelmäßig auf Ausgrabungen - so durfte sie nicht nur bei der wikingerzeitlichen Siedlung auf Föhr und dem christlichen Gräberfeld in Haithabu dabei sein, sondern auch im Sommer letzten Jahres eine mongolisch-deutsche Grabungsexpedition in die Mongolei begleiten, um eine frühmittelalterliche Siedlung zu untersuchen.

Montag, den 29. April 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Archäologische Quellen zur Beizjagd bei den Elbslawen

 

von Dr. Ralf Bleile (Schleswig)

 

Die Ausübung der Beizjagd war im Mittelalter ein adliges oder sogar königliches Privileg und nur wenigen vorbehalten. Für das Deutsche Reich ist die Ausübung dieser Jagdmethode und ihr hoher Stellenwert im Selbstverständnis der Eliten durch das Buch „De arte venandi cum avibus“ („Von der Kunst mit Falken zu jagen“) des Stauferkaisers Friedrich II. (1194-1250) bekannt. Die Beizjagd ist bis heute eine sehr zeitaufwendige und vor allem kostspielige Jagdmethode. Im Oldenburger Wallmuseum in Oldenburg i.H. steht die lebensgroße Figur eines Slawenfürsten, der einen Beizvogel auf seinem Arm trägt. Gibt es archäologische Quellen, die diese Inszenierung berechtigen und gelten diese nur für die berühmte wagrische Zentralburg Starigard in Oldenburg? Die Spurensuche wird sich mit den Überresten von Greifvögeln und mit den in der Falknerei „Bells“ genannten kleinen Schellen beschäftigen. Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem einer silbernen Zierscheibe aus der Slowakei, auf der ein Reiter dargestellt ist, der einen Vogel auf dem ausgestreckten Arm hält. Bei der Prüfung dieses potenziellen Beizjagdmotivs wird der Teppich von Bayeux eine wichtige Rolle spielen.

 

Zum Vortragenden: Ralf Bleile, geb. 1967, schloss sein Studium in Berlin und Greifswald mit einer Promotion über „Quetzin – Eine spätslawische Burg auf der Kohlinsel im Plauer See. Befunde und Funde zur Problematik slawischer Inselnutzungen in Mecklenburg-Vorpommern“ ab. Danach folgten Tätigkeiten für das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald als studentischer Grabungshelfer und wissenschaftliche Hilfskraft. In den Jahren 2000–2003 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Gewässernutzung“ am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Greifswald- Ab 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel (Assistenz Prof. Ulrich Müller). 2006 wurde er stellvertretender Direktor am Archäologischen Landesmuseum in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schoss Gottorf, seit Januar 2010 ist er ständiger Vertreter des Direktors des Archäologischen Landesmuseums in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und seit Dezember 2015 durch den Stiftungsrat zum bevollmächtigten Direktor des Archäologischen Landesmuseums bestellt.

In den Jahren 2004–2013 im Auftrag des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein Vertreter des Landes Schleswig-Holstein in der Working Group on Underwater Cultural Heritage of the Baltic Sea, von 2008–2013 Chairman.

Seit 16.3.2017 ist Ralf Bleile als Leiter des Projektes “Umsetzung des Masterplans Schloss Gottorf” zuständig.

Montag, den 25. März 2019

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Tiefe Einblicke in den Untergrund von Hamburg – die neue Burg

 

von Kay-Peter Suchowa (Hamburg)

 

Immer wieder kommt es zu Verwechslungen zwischen der Hammaburg und der Neuen Burg in Hamburg. Wie stehen diese Burgen in zeitlichem und geografischem Zusammenhang. Hat die Neue Burg Bezug zur Stadtgründung und wer war verantwortlich für den Bau der größten Burg des 11. Jahrhunderts in Norddeutschland? Können wir aus archäologischen Befunden Hinweise auf die politische und ethnische Situation zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Hamburg ziehen? Diese und viele weitere Fragen ließen sich durch archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2014, 2015 und 2016, im Bereich der Neuen Burg, beantworten.

Folgen Sie den Archäologen bis zu 5 m Tiefe unter die heutige Oberfläche und entdecken Sie den historischen Untergrund unserer schönen Stadt.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Kay-Peter Suchowa wurde in Hamburg, wo er auch aufwuchs, geboren. Nach Abitur und Militärzeit studierte er in Hannover Geschichte und Politik, bevor er in Hamburg zur Vor- und Frühgeschichte und Ethnologie wechselte. Bereits während des Studiums arbeitete er In der Bodendenkmalpflege Hamburg auf zahlreichen Ausgrabungen. Nach seinem Abschluss als Magister im Jahr 1999 leitete er zahlreiche Ausgrabungen in Lübeck, u. a. im Bereich des slawischen Königssitzes von Alt-Lübeck. Hinzu kamen Grabungen in mittelalterlichen Konventen und im Bereich der ältesten Wasserkunst Norddeutschlands. Seit 2012 arbeitet er im Bereich der Bodendenkmalpflege des Archäologischen Museums Hamburg. Neben mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausgrabungen in der Harburger Schlossstraße und einer damit verbundenen Ausstellung, leitete er verschiedene Ausgrabungen im Bereich der Neuen Burg und in anderen Bereichen der Hamburger Innenstadt. Da ihm die Vermittlung von historischen Erkenntnissen wichtig ist, arbeitete er in verschiedenen Museen als Museumspädagoge und im Bereich der lebendigen Archäologie. Auch auf seinen Ausgrabungen spielen Wissensvermittlung und der Dialog mit Besuchern und interessierten Mitbürgern eine wichtige Rolle. Als Ausgleich zu seiner Ausgrabungstätigkeit wandert Herr Suchowa gerne, beobachtet Tiere und genießt die Ruhe in der Natur.

Montag, den 25. Februar 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Celtic Fields: Stiefkinder der Archäologie nicht nur in Schleswig-Holstein?

 

von Dr. Volker Arnold (Albersdorf)

 

Durch immer bessere, teilweise öffentlich einsehbare Laserdaten erschließen sich immer mehr "Celtic Fields" (sensu lato) in Schleswig-Holstein und Dänemark: kleine abgegrenzte und unter günstigen Bedingungen immer noch erkennbare, tendenziell rechteckige Felder, die dicht an dicht liegen und zusammenhängende Systeme bilden. Bekannt sind über 1000 Systeme vor allem in Wäldern, in Dänemark auch in noch bestehenden oder aufgeforsteten Heiden, wovon über 50 mehr als einen Quadratkilometer bedecken – markante Territorien, deren äußere Grenzen einer Dynamik unterlagen und so oft unklar bleiben. Andererseits zeichnen sich mancherorts Systemgrößen ab, die wohl nur von einer einzigen Hofstelle bewirtschaftet wurden. Vor allem auf sandigen Böden scheint mindestens ein Teil der Parzellengrenzen zunächst als schmale Wälle angelegt worden zu sein. Offenbar führte die langjährige Beackerung der Parzellen von sich aus zu einer Aufhöhung und oft auch wachsenden Verbreiterung der Parzellenränder, kombiniert mit einem zunehmend wannenförmigen Querschnitt der Parzellen. Eine Untersuchung eines schwach ausgeprägten Parzellen-Randwalls ergab im Riesewohld in Dithmarschen eine Nutzungsdauer von etwa 600 Jahren; Datierungen in anderen Systemen deuten teilweise eine ähnliche oder noch längere Nutzungsdauer an. Regelhaft finden sich in der durchpflügten Erde der Parzellenränder Reste von Düngerauftrag in Form von stark zerkleinerten Hausabfällen. Die große Typenvielfalt der beobachteten Systeme ist stark von Bodentyp und -relief abhängig und unterscheidet sich demzufolge vor allem in Alt- und Jungmoränenlandschaften. Insgesamt scheint sich eine zeitliche Abfolge von mehr oder weniger quadratischen Parzellen hin zu langrechteckigen Parzellen abzuzeichnen. Während bei Ersteren ein kreuzweises Pflügen mit dem Ard gelegentlich nachzuweisen war, dürften extrem lange Parzellen nur noch in eine Richtung, möglicherweise mit einem Streichbrettpflug, bearbeitet worden sein. Bei manchen dänischen Systemen scheinen Wölbbeete mittelalterlichen Typs unter Berücksichtigung von Celtic-Fields-Parzellengrenzen angelegt worden zu sein, was eine Teilkontinuität über die "dunklen Jahrhunderte" nach der Völkerwanderung andeutet. Völlig unklar bleibt, welche Parzellen wie oft und in welchem Umfang brach fielen bzw. von Vieh beweidet wurden. Auf die Art der Parzellenausformung dürfte jedenfalls die Beackerung einen ungleich größeren Einfluss gehabt haben als eine Beweidung. Ein weiteres großes Aufgabenfeld ist die Datierung der Systeme und ihrer Nutzungsdauer. Nach den Ersten, in Anzahl und Qualität sicher unzureichenden Daten kann nicht ausgeschlossen werden, dass frühe Celtic Fields bereits in der älteren Bronzezeit angelegt wurden, auch wenn in den gleichzeitigen Häusern noch keine Stallteile nachweisbar sind. Sicher dagegen erscheinen sie in der jüngeren Bronzezeit. Mit Beginn der winterlichen Stallhaltung des Viehs, die sich offenbar im Gefolge einer Klimaverschlechterung durchsetzte und in veränderten Hausgrundrissen widerspiegelt, scheint so erstmals ein über Jahrhunderte ortsfester Ackerbau möglich geworden zu sein, der vorherigen Wanderfeldbau ersetzt haben dürfte. Die Stallhaltung führte zur Akkumulation von Streu und Dünger, die dann, zusammen mit Erdmaterial vor allem aus Niederungen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit aufgebracht wurden. Das alles ist den agrarischen Umwälzungen am Beginn des Neolithikums durchaus ebenbürtig.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Volker Arnold, geb. 1947, schloss sein Studium in Köln, Kiel und Tübingen mit einer Promotion über einen spätneolithischen Fundplatz an der Flensburger Außenförde ab und leitete ab 1975 das Museum für Dithmarscher Vorgeschichte in Heide und von 2005 bis 2009 dessen Nachfolgeinstitut in Albersdorf. Seit seinem Ruhestand im Jahre 2010 beschäftige er sich u. a. mit der Natur- und Kulturgeschichte des Riesewohldes und mit der archäologischen Auswertung niederländischer, norddeutscher und dänischer Laserdaten.

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