Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.
Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. 

 

Vorträge 2019

 

Montag, den 25. Februar 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Celtic Fields: Stiefkinder der Archäologie nicht nur in Schleswig-Holstein?

 

von Dr. Volker Arnold (Albersdorf)

 

Durch immer bessere, teilweise öffentlich einsehbare Laserdaten erschließen sich immer mehr "Celtic Fields" (sensu lato) in Schleswig-Holstein und Dänemark: kleine abgegrenzte und unter günstigen Bedingungen immer noch erkennbare, tendenziell rechteckige Felder, die dicht an dicht liegen und zusammenhängende Systeme bilden. Bekannt sind über 1000 Systeme vor allem in Wäldern, in Dänemark auch in noch bestehenden oder aufgeforsteten Heiden, wovon über 50 mehr als einen Quadratkilometer bedecken – markante Territorien, deren äußere Grenzen einer Dynamik unterlagen und so oft unklar bleiben. Andererseits zeichnen sich mancherorts Systemgrößen ab, die wohl nur von einer einzigen Hofstelle bewirtschaftet wurden. Vor allem auf sandigen Böden scheint mindestens ein Teil der Parzellengrenzen zunächst als schmale Wälle angelegt worden zu sein. Offenbar führte die langjährige Beackerung der Parzellen von sich aus zu einer Aufhöhung und oft auch wachsenden Verbreiterung der Parzellenränder, kombiniert mit einem zunehmend wannenförmigen Querschnitt der Parzellen. Eine Untersuchung eines schwach ausgeprägten Parzellen-Randwalls ergab im Riesewohld in Dithmarschen eine Nutzungsdauer von etwa 600 Jahren; Datierungen in anderen Systemen deuten teilweise eine ähnliche oder noch längere Nutzungsdauer an. Regelhaft finden sich in der durchpflügten Erde der Parzellenränder Reste von Düngerauftrag in Form von stark zerkleinerten Hausabfällen. Die große Typenvielfalt der beobachteten Systeme ist stark von Bodentyp und -relief abhängig und unterscheidet sich demzufolge vor allem in Alt- und Jungmoränenlandschaften. Insgesamt scheint sich eine zeitliche Abfolge von mehr oder weniger quadratischen Parzellen hin zu langrechteckigen Parzellen abzuzeichnen. Während bei Ersteren ein kreuzweises Pflügen mit dem Ard gelegentlich nachzuweisen war, dürften extrem lange Parzellen nur noch in eine Richtung, möglicherweise mit einem Streichbrettpflug, bearbeitet worden sein. Bei manchen dänischen Systemen scheinen Wölbbeete mittelalterlichen Typs unter Berücksichtigung von Celtic-Fields-Parzellengrenzen angelegt worden zu sein, was eine Teilkontinuität über die "dunklen Jahrhunderte" nach der Völkerwanderung andeutet. Völlig unklar bleibt, welche Parzellen wie oft und in welchem Umfang brach fielen bzw. von Vieh beweidet wurden. Auf die Art der Parzellenausformung dürfte jedenfalls die Beackerung einen ungleich größeren Einfluss gehabt haben als eine Beweidung. Ein weiteres großes Aufgabenfeld ist die Datierung der Systeme und ihrer Nutzungsdauer. Nach den Ersten, in Anzahl und Qualität sicher unzureichenden Daten kann nicht ausgeschlossen werden, dass frühe Celtic Fields bereits in der älteren Bronzezeit angelegt wurden, auch wenn in den gleichzeitigen Häusern noch keine Stallteile nachweisbar sind. Sicher dagegen erscheinen sie in der jüngeren Bronzezeit. Mit Beginn der winterlichen Stallhaltung des Viehs, die sich offenbar im Gefolge einer Klimaverschlechterung durchsetzte und in veränderten Hausgrundrissen widerspiegelt, scheint so erstmals ein über Jahrhunderte ortsfester Ackerbau möglich geworden zu sein, der vorherigen Wanderfeldbau ersetzt haben dürfte. Die Stallhaltung führte zur Akkumulation von Streu und Dünger, die dann, zusammen mit Erdmaterial vor allem aus Niederungen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit aufgebracht wurden. Das alles ist den agrarischen Umwälzungen am Beginn des Neolithikums durchaus ebenbürtig.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Volker Arnold, geb. 1947, schloss sein Studium in Köln, Kiel und Tübingen mit einer Promotion über einen spätneolithischen Fundplatz an der Flensburger Außenförde ab und leitete ab 1975 das Museum für Dithmarscher Vorgeschichte in Heide und von 2005 bis 2009 dessen Nachfolgeinstitut in Albersdorf. Seit seinem Ruhestand im Jahre 2010 beschäftige er sich u. a. mit der Natur- und Kulturgeschichte des Riesewohldes und mit der archäologischen Auswertung niederländischer, norddeutscher und dänischer Laserdaten.

Montag, den 25. März 2019

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Tiefe Einblicke in den Untergrund von Hamburg – die neue Burg

 

von Kay-Peter Suchowa (Hamburg)

 

Immer wieder kommt es zu Verwechslungen zwischen der Hammaburg und der Neuen Burg in Hamburg. Wie stehen diese Burgen in zeitlichem und geografischem Zusammenhang. Hat die Neue Burg Bezug zur Stadtgründung und wer war verantwortlich für den Bau der größten Burg des 11. Jahrhunderts in Norddeutschland? Können wir aus archäologischen Befunden Hinweise auf die politische und ethnische Situation zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Hamburg ziehen? Diese und viele weitere Fragen ließen sich durch archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2014, 2015 und 2016, im Bereich der Neuen Burg, beantworten.

Folgen Sie den Archäologen bis zu 5 m Tiefe unter die heutige Oberfläche und entdecken Sie den historischen Untergrund unserer schönen Stadt.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Kay-Peter Suchowa wurde in Hamburg, wo er auch aufwuchs, geboren. Nach Abitur und Militärzeit studierte er in Hannover Geschichte und Politik, bevor er in Hamburg zur Vor- und Frühgeschichte und Ethnologie wechselte. Bereits während des Studiums arbeitete er In der Bodendenkmalpflege Hamburg auf zahlreichen Ausgrabungen. Nach seinem Abschluss als Magister im Jahr 1999 leitete er zahlreiche Ausgrabungen in Lübeck, u. a. im Bereich des slawischen Königssitzes von Alt-Lübeck. Hinzu kamen Grabungen in mittelalterlichen Konventen und im Bereich der ältesten Wasserkunst Norddeutschlands. Seit 2012 arbeitet er im Bereich der Bodendenkmalpflege des Archäologischen Museums Hamburg. Neben mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausgrabungen in der Harburger Schlossstraße und einer damit verbundenen Ausstellung, leitete er verschiedene Ausgrabungen im Bereich der Neuen Burg und in anderen Bereichen der Hamburger Innenstadt. Da ihm die Vermittlung von historischen Erkenntnissen wichtig ist, arbeitete er in verschiedenen Museen als Museumspädagoge und im Bereich der lebendigen Archäologie. Auch auf seinen Ausgrabungen spielen Wissensvermittlung und der Dialog mit Besuchern und interessierten Mitbürgern eine wichtige Rolle. Als Ausgleich zu seiner Ausgrabungstätigkeit wandert Herr Suchowa gerne, beobachtet Tiere und genießt die Ruhe in der Natur.

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