Aktuelle Veranstaltungen
 

Die AGSH bietet alljährlich für seine Mitglieder und andere Interessierte ein vielfältiges Programm, das aus Abendvorträgen archäologisch ausgerichteter Thematik, Exkursionen, Führungen zu archäologischen Denkmalen und Ausgrabungen sowie aus Ausstellungsbesuchen besteht.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. Für mehrtägige Exkursion wird von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern des Vereins ein Unkostenbeitrag erhoben, der Besuch von Abendvorträgen und Ausgrabungen ist kostenlos. Beim Besuch von Ausstellungen können wechselnde Eintrittskosten anfallen.

 

 

 

Die Bewohner Samlands und ihre Kontakte im Mittelalter. Neue Facherkenntnisse aus der modernen archäologischen Feldforschung

Montag, den 30. November 2026
19.30 Uhr
  
im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24837 Schleswig 
 
von Dr. Dr. Jaroslaw A. Prassolow (Schleswig)
 

Foto aus:

On the contacts of the inhabitants of the unfortified settlement Privol‘noe-1 on the Kaliningrad Peninsula at the end of the 11th-13th centuries AD
by Jaroslaw A. Prassolow and Konstantin Skvorzov

in: Making Places, Making Lives. Landscape and Settlement in Coastal Wetlands Proceedings of the 72nd Sachsensymposion, 9-12 October 2021 Castricum-Alkmaar, 2024. S. 164

Die modernen Erkenntnisse über die Kultur- und Handelskontakte der Prussen der „spät-heidnischen Zeit“ lokaler Chronologie (Ende des 11. bis Anfang des 13. Jahrhunderts) – vor der Eroberung der Samländischen Halbinsel („Samland“ der historischen Quellen) durch den Deutschen Orden – basieren fast ausschließlich auf den Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen der Region. Dabei konzentrierte sich die archäologische Feldfor-schung zu den Prussen lange Zeit vor allem auf Bestattungsplätze und die Analyse der Grabinventare sowie Einzelfunde. Erst die in den vergangenen Jahrzehnten intensivierte und auf moderne Forschungsmethoden stützende Siedlungsarchäologie eröffnet neue Ein-blicke in die Kultur- und Handelskontakte der Bevölkerung Samlands. 

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen der Siedlung Privol‘noe-1, ergänzt durch die Erkenntnisse aus dem Siedlungs- und Bestattungskomplex Nowossel’skoe. Diese archäologischen Denkmäler im Norden der heutigen Kaliningrader Halbinsel wurden durch Prospektionen und Ausgrabungen zwischen 2016 und 2021 erforscht. Beide Denkmäler unterscheiden sich von den wenigen bisher bekannten unbefestigten Siedlungen der Prussen durch die ungewöhnlich hohe Anzahl von Fun-den sowie durch die vielfältige kulturelle Provenienz dieser Artefakte. 
Neben den Funden, die im zeitgenössischen archäologischen Material der Halbinsel weit verbreitet und u. a. auch für die baltischen Nachbarvölker typisch sind, treten auch materielle Belege für Kontakte zum mittelalterlichen Nord- und Westeuropa auf. Zum ersten Mal im regionalen Siedlungskontext konnten zahlreiche Importe aus den nördlichen und südlichen Gebieten der Rus‘ gesichert werden. Des Weiteren belegen Funde eine frühe Vertrautheit der lokalen Bevölkerung mit dem christlichen Glauben – lange vor ihrer erzwungenen Christianisierung im späten 13. Jahrhundert. 
Die modernen Forschungserkenntnisse zeichnen damit ein deutlich vielfältigeres Bild der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen der Bewohner Samlands mit nahen und weiter entfernten Regionen des mittelalterlichen Europas, als bislang angenommen wurde.

 

 

Zum Vortragenden:

Jaroslaw A. Prassolow studierte Ur- und Frühgeschichte sowie Nordistik/Skandinavistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und nahm bereits während seiner Studienzeit an den archäologischen Feldforschungen im Kaliningrader Gebiet teil. Anschließend promovierte er 2011 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Thema „Dolchmesser aus dem Kaliningrader Gebiet (Russland). Typologisch-chronologische Studie zu völkerwanderungs-zeitlichen Dolchmessern“. Seit 2012 ist er im Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig und dessen Nachfolgeeinrichtung, dem Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), Standort Schleswig, tätig. 
Der Forschungsschwerpunkt des Referenten ist die eisenzeitliche Archäologie Nordeuropas mit besonderer Berücksichtigung der archäologischen Hinterlassenschaften der baltischen Stämme des Ostseegebiets sowie ihren Kontakten mit germanischen und slawischen Völkern der Nachbarländer.  

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