Aktuelle Veranstaltungen
 

Die AGSH bietet alljährlich für seine Mitglieder und andere Interessierte ein vielfältiges Programm, das aus Abendvorträgen archäologisch ausgerichteter Thematik, Exkursionen, Führungen zu archäologischen Denkmalen und Ausgrabungen sowie aus Ausstellungsbesuchen besteht.

Die Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein organisiert ca. 10 Vorträge pro Jahr. Mitglieder der AGSH, aber auch Gäste sind herzlich willkommen. Für mehrtägige Exkursion wird von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern des Vereins ein Unkostenbeitrag erhoben, der Besuch von Abendvorträgen und Ausgrabungen ist kostenlos. Beim Besuch von Ausstellungen können wechselnde Eintrittskosten anfallen.

 

 

 

Die Schlacht am Danewerk im Jahre 974 und ihre Folgen. Oder: Wie Harald Blauzahn (fast) sein Königreich verlor

Montag, den 28. September 2026
19.30 Uhr
 
im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24837 Schleswig
 
von Dr. Thorsten Lemm (Schleswig)
 

Foto: P.Portalla

Im Frühjahr 974 versammelte König Harald Blauzahn Truppen aus seinem gesamten Reich im Süden Dänemarks, darunter auch Jarl Håkon aus dem Trøndelag. Sie wurden gerufen, um das Danewerk gegen eine ostfränkische Armee unter der Führung Kaiser Ottos II. zu verteidigen. Die Schlacht endete mit einer vernichtenden Niederlage für Harald und führte wahrscheinlich zu einem erheblichen Verlust an Ansehen und Autorität des dänischen Königs. Historische Parallelen zeigen, dass solche Rückschläge die Herrschaft eines Monarchen tiefgreifend destabilisieren konnten. Die Niederlage hatte direkte Auswirkungen auf Haralds Verhältnis zu Håkon, der die Gelegenheit nutzte, um sich als unabhängiger Herrscher Norwegens zu etablieren. Die mittelalterliche Literatur stellt diesen Bruch oft als eskalierenden religiösen Konflikt zwischen Heidentum und Christentum dar, doch ist er wahrscheinlich eher auf Haralds geschwächte Macht und seinen schwindenden Einfluss zurückzuführen.

 Auch in Dänemark dürfte die Niederlage ambitionierte Familien ermutigt haben, Haralds Herrschaft infrage zu stellen, indem sie mehr Einfluss und Macht für sich selbst beanspruchten. Wahrscheinlich um seine Kontrolle zu festigen, veranlasste Harald ab 974/75 den Bau von Burgen des Typs Trelleborg. Dabei setzte er allem Anschein nach auch slawische Truppen ein. Aufgrund ihres Status als Fremde ohne Bindungen zur lokalen Bevölkerung eigneten sich diese ideal zur Unterdrückung interner Widerstände. Starker Widerstand dänischer Rebellen ist unter anderem an den Angriffen auf einige von Haralds Burgen abzulesen. Bis zum Jahr 983 muss die politische Stabilität in Dänemark jedoch wiederhergestellt gewesen sein. In diesem Jahr unternahmen die Dänen einen Aufstand gegen das Ostfränkische Reich, das durch interne Machtkämpfe nach der vernichtenden Niederlage Ottos II. im Vorjahr gegen Sarazenen in Süditalien geschwächt war.

Die Quelle zu 983 erwähnt nicht, welcher König den dänischen Aufstand anführte. Hatten die Burgen ihren Zweck erfüllt und sich Harald auf dem Thron halten können? Oder betrat sein Sohn Sven Gabelbart früher die politische Bühne als dies gemeinhin angenommen wird? Wissen wir überhaupt, wann Harald Blauzahn gestorben ist? Auf der Grundlage archäologischer und historischer Quellen versucht der Vortrag das Ausmaß und den Verlauf der feindlichen Auseinandersetzungen im Jahr 974 sowie deren Folgen zu rekonstruieren und damit Einblicke in die wechselnden Machtverhältnisse in Dänemark und Norwegen im späten 10. Jahrhundert zu gewähren.

 

Zum Vortragenden:

Thorsten Lemm studierte Ur- und Frühgeschichte, Skandinavistik und Geografie in Kiel. In seiner Dissertation befasste er sich mit dem Thema „Die frühmittelalterlichen Ringwälle im westlichen und mittleren Holstein“. Zudem war er an Ausgrabungen in Dänemark und am Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein beteiligt. Seit 2008 ist er am Zentrum für Skandinavische und Baltische Archäologie und dessen Nachfolgeeinrichtung, dem Leibniz-Zentrum für Archäologie, Standort Schleswig, tätig. 

Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem frühen Königtum in Skandinavien, frühmittelalterlichen Burgen und Befestigungen, Kriegsführung und Militär im frühen Mittelalter, der Rekonstruktion ur- und frühgeschichtlicher Wege sowie der Siedlungsarchäologie der Wikingerzeit.
 

 

 

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