Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.
Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein e. V.

Rückschau 2019

Montag, den 25. Februar 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Celtic Fields: Stiefkinder der Archäologie nicht nur in Schleswig-Holstein?

 

von Dr. Volker Arnold (Albersdorf)

 

Durch immer bessere, teilweise öffentlich einsehbare Laserdaten erschließen sich immer mehr "Celtic Fields" (sensu lato) in Schleswig-Holstein und Dänemark: kleine abgegrenzte und unter günstigen Bedingungen immer noch erkennbare, tendenziell rechteckige Felder, die dicht an dicht liegen und zusammenhängende Systeme bilden. Bekannt sind über 1000 Systeme vor allem in Wäldern, in Dänemark auch in noch bestehenden oder aufgeforsteten Heiden, wovon über 50 mehr als einen Quadratkilometer bedecken – markante Territorien, deren äußere Grenzen einer Dynamik unterlagen und so oft unklar bleiben. Andererseits zeichnen sich mancherorts Systemgrößen ab, die wohl nur von einer einzigen Hofstelle bewirtschaftet wurden. Vor allem auf sandigen Böden scheint mindestens ein Teil der Parzellengrenzen zunächst als schmale Wälle angelegt worden zu sein. Offenbar führte die langjährige Beackerung der Parzellen von sich aus zu einer Aufhöhung und oft auch wachsenden Verbreiterung der Parzellenränder, kombiniert mit einem zunehmend wannenförmigen Querschnitt der Parzellen. Eine Untersuchung eines schwach ausgeprägten Parzellen-Randwalls ergab im Riesewohld in Dithmarschen eine Nutzungsdauer von etwa 600 Jahren; Datierungen in anderen Systemen deuten teilweise eine ähnliche oder noch längere Nutzungsdauer an. Regelhaft finden sich in der durchpflügten Erde der Parzellenränder Reste von Düngerauftrag in Form von stark zerkleinerten Hausabfällen. Die große Typenvielfalt der beobachteten Systeme ist stark von Bodentyp und -relief abhängig und unterscheidet sich demzufolge vor allem in Alt- und Jungmoränenlandschaften. Insgesamt scheint sich eine zeitliche Abfolge von mehr oder weniger quadratischen Parzellen hin zu langrechteckigen Parzellen abzuzeichnen. Während bei Ersteren ein kreuzweises Pflügen mit dem Ard gelegentlich nachzuweisen war, dürften extrem lange Parzellen nur noch in eine Richtung, möglicherweise mit einem Streichbrettpflug, bearbeitet worden sein. Bei manchen dänischen Systemen scheinen Wölbbeete mittelalterlichen Typs unter Berücksichtigung von Celtic-Fields-Parzellengrenzen angelegt worden zu sein, was eine Teilkontinuität über die "dunklen Jahrhunderte" nach der Völkerwanderung andeutet. Völlig unklar bleibt, welche Parzellen wie oft und in welchem Umfang brach fielen bzw. von Vieh beweidet wurden. Auf die Art der Parzellenausformung dürfte jedenfalls die Beackerung einen ungleich größeren Einfluss gehabt haben als eine Beweidung. Ein weiteres großes Aufgabenfeld ist die Datierung der Systeme und ihrer Nutzungsdauer. Nach den Ersten, in Anzahl und Qualität sicher unzureichenden Daten kann nicht ausgeschlossen werden, dass frühe Celtic Fields bereits in der älteren Bronzezeit angelegt wurden, auch wenn in den gleichzeitigen Häusern noch keine Stallteile nachweisbar sind. Sicher dagegen erscheinen sie in der jüngeren Bronzezeit. Mit Beginn der winterlichen Stallhaltung des Viehs, die sich offenbar im Gefolge einer Klimaverschlechterung durchsetzte und in veränderten Hausgrundrissen widerspiegelt, scheint so erstmals ein über Jahrhunderte ortsfester Ackerbau möglich geworden zu sein, der vorherigen Wanderfeldbau ersetzt haben dürfte. Die Stallhaltung führte zur Akkumulation von Streu und Dünger, die dann, zusammen mit Erdmaterial vor allem aus Niederungen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit aufgebracht wurden. Das alles ist den agrarischen Umwälzungen am Beginn des Neolithikums durchaus ebenbürtig.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Volker Arnold, geb. 1947, schloss sein Studium in Köln, Kiel und Tübingen mit einer Promotion über einen spätneolithischen Fundplatz an der Flensburger Außenförde ab und leitete ab 1975 das Museum für Dithmarscher Vorgeschichte in Heide und von 2005 bis 2009 dessen Nachfolgeinstitut in Albersdorf. Seit seinem Ruhestand im Jahre 2010 beschäftige er sich u. a. mit der Natur- und Kulturgeschichte des Riesewohldes und mit der archäologischen Auswertung niederländischer, norddeutscher und dänischer Laserdaten.

Montag, den 25. März 2019

 

um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Tiefe Einblicke in den Untergrund von Hamburg – die neue Burg

 

von Kay-Peter Suchowa (Hamburg)

 

Immer wieder kommt es zu Verwechslungen zwischen der Hammaburg und der Neuen Burg in Hamburg. Wie stehen diese Burgen in zeitlichem und geografischem Zusammenhang. Hat die Neue Burg Bezug zur Stadtgründung und wer war verantwortlich für den Bau der größten Burg des 11. Jahrhunderts in Norddeutschland? Können wir aus archäologischen Befunden Hinweise auf die politische und ethnische Situation zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Hamburg ziehen? Diese und viele weitere Fragen ließen sich durch archäologische Ausgrabungen in den Jahren 2014, 2015 und 2016, im Bereich der Neuen Burg, beantworten.

Folgen Sie den Archäologen bis zu 5 m Tiefe unter die heutige Oberfläche und entdecken Sie den historischen Untergrund unserer schönen Stadt.

 

 

Zum Vortragenden:

 

Kay-Peter Suchowa wurde in Hamburg, wo er auch aufwuchs, geboren. Nach Abitur und Militärzeit studierte er in Hannover Geschichte und Politik, bevor er in Hamburg zur Vor- und Frühgeschichte und Ethnologie wechselte. Bereits während des Studiums arbeitete er In der Bodendenkmalpflege Hamburg auf zahlreichen Ausgrabungen. Nach seinem Abschluss als Magister im Jahr 1999 leitete er zahlreiche Ausgrabungen in Lübeck, u. a. im Bereich des slawischen Königssitzes von Alt-Lübeck. Hinzu kamen Grabungen in mittelalterlichen Konventen und im Bereich der ältesten Wasserkunst Norddeutschlands. Seit 2012 arbeitet er im Bereich der Bodendenkmalpflege des Archäologischen Museums Hamburg. Neben mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausgrabungen in der Harburger Schlossstraße und einer damit verbundenen Ausstellung, leitete er verschiedene Ausgrabungen im Bereich der Neuen Burg und in anderen Bereichen der Hamburger Innenstadt. Da ihm die Vermittlung von historischen Erkenntnissen wichtig ist, arbeitete er in verschiedenen Museen als Museumspädagoge und im Bereich der lebendigen Archäologie. Auch auf seinen Ausgrabungen spielen Wissensvermittlung und der Dialog mit Besuchern und interessierten Mitbürgern eine wichtige Rolle. Als Ausgleich zu seiner Ausgrabungstätigkeit wandert Herr Suchowa gerne, beobachtet Tiere und genießt die Ruhe in der Natur.

Montag, den 29. April 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Archäologische Quellen zur Beizjagd bei den Elbslawen

 

von Dr. Ralf Bleile (Schleswig)

 

Die Ausübung der Beizjagd war im Mittelalter ein adliges oder sogar königliches Privileg und nur wenigen vorbehalten. Für das Deutsche Reich ist die Ausübung dieser Jagdmethode und ihr hoher Stellenwert im Selbstverständnis der Eliten durch das Buch „De arte venandi cum avibus“ („Von der Kunst mit Falken zu jagen“) des Stauferkaisers Friedrich II. (1194-1250) bekannt. Die Beizjagd ist bis heute eine sehr zeitaufwendige und vor allem kostspielige Jagdmethode. Im Oldenburger Wallmuseum in Oldenburg i.H. steht die lebensgroße Figur eines Slawenfürsten, der einen Beizvogel auf seinem Arm trägt. Gibt es archäologische Quellen, die diese Inszenierung berechtigen und gelten diese nur für die berühmte wagrische Zentralburg Starigard in Oldenburg? Die Spurensuche wird sich mit den Überresten von Greifvögeln und mit den in der Falknerei „Bells“ genannten kleinen Schellen beschäftigen. Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem einer silbernen Zierscheibe aus der Slowakei, auf der ein Reiter dargestellt ist, der einen Vogel auf dem ausgestreckten Arm hält. Bei der Prüfung dieses potenziellen Beizjagdmotivs wird der Teppich von Bayeux eine wichtige Rolle spielen.

 

Zum Vortragenden: Ralf Bleile, geb. 1967, schloss sein Studium in Berlin und Greifswald mit einer Promotion über „Quetzin – Eine spätslawische Burg auf der Kohlinsel im Plauer See. Befunde und Funde zur Problematik slawischer Inselnutzungen in Mecklenburg-Vorpommern“ ab. Danach folgten Tätigkeiten für das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald als studentischer Grabungshelfer und wissenschaftliche Hilfskraft. In den Jahren 2000–2003 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Gewässernutzung“ am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Greifswald- Ab 2005 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel (Assistenz Prof. Ulrich Müller). 2006 wurde er stellvertretender Direktor am Archäologischen Landesmuseum in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schoss Gottorf, seit Januar 2010 ist er ständiger Vertreter des Direktors des Archäologischen Landesmuseums in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und seit Dezember 2015 durch den Stiftungsrat zum bevollmächtigten Direktor des Archäologischen Landesmuseums bestellt.

In den Jahren 2004–2013 im Auftrag des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein Vertreter des Landes Schleswig-Holstein in der Working Group on Underwater Cultural Heritage of the Baltic Sea, von 2008–2013 Chairman.

Seit 16.3.2017 ist Ralf Bleile als Leiter des Projektes “Umsetzung des Masterplans Schloss Gottorf” zuständig.

Montag, den 27. Mai 2019

 

Vortrag: um 19.30 Uhr

 

im Hörsaal des

Institutes der Ur- und Frühgeschichte

 der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Johanna-Mestorf-Str. 2-6

24118 Kiel

 

Die Rolle des Opferkultes im 1. Jahrtausend n. Chr. in Nordeuropa

 

von Ann-Theres Sinn (Kiel)

 

Der (Opfer-)Kult drückt eine besondere Beziehung zwischen dem Menschen und dem Übernatürlichen, den Göttern und Wesenheiten aus. Dieser (Opfer-)Kult wird für die Archäologie erst durch für uns sichtbare, d. h. materielle Funde, manifest. Eine große Rolle scheint dabei den sog. Opfer-Mooren zuzukommen, wie Nydam oder Thorsberg, die aufgrund der archäologischen Funde als solche angesprochen werden.

Doch auch bei der Niederlegung von Tieren oder Menschen wird oftmals von einem Opfer gesprochen – das, was nicht zureichend erklärt werden kann, wird schnell als kultisch angesprochen. Erschwerend kommt hinzu, dass bislang in Forschungskreisen kein einheitlicher Begriff von Opfer oder Kult verwendet wird und die Einordnung verschiedener Funde also auf subjektivem Empfinden der untersuchenden Wissenschaftler beruht.

In diesem Vortrag soll der Versuch unternommen werden, sich dem Begriff des Opferkultes kritisch anzunähern und sowohl auf dessen Merkmale, als auch Motivationen der Opfernden selbst hinzuweisen. Dabei wird nicht nur eine theoretische Grundlage erarbeitet, sondern auch auf archäologische (Be-)Funde hingewiesen, die eventuell in einem kontextuellen Zusammenhang zum Opferkult stehen könnten.

 

Zur Vortragenden: Anna-Theres Sinn studiert in Kiel Philosophie und Ur- und Frühgeschichte, Islamwissenschaften und Pädagogik. Unter anderem studierte sie auch ein Jahr in den Niederlanden zusätzlich Psychologie. Zum jetzigen Zeitpunkt schreibt sie ihre Bachelor-Arbeit bei Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim und Dr. Sven Kalmring über anthropomorphe Spielsteine der Wikingerzeit. Seit Ende 2018 ist sie Trägerin des Deutschlandstipendiums und wird von der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, dort ist sie seit fast drei Jahren Mitglied, gefördert. Sie ist zertifizierte Sondengängerin am Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein und arbeitet regelmäßig auf Ausgrabungen - so durfte sie nicht nur bei der wikingerzeitlichen Siedlung auf Föhr und dem christlichen Gräberfeld in Haithabu dabei sein, sondern auch im Sommer letzten Jahres eine mongolisch-deutsche Grabungsexpedition in die Mongolei begleiten, um eine frühmittelalterliche Siedlung zu untersuchen.

Montag, den 24. Juni 2019

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24864 Schleswig

 

Archäologische Einblicke im südlichen Angeln - Von der Mittelsteinzeit bis zu den Wikingern auf 11 km Länge und 8 m Breite

 

von Dr. Stefanie Klooß (Schleswig)

 

Anlässlich der Verlegung der neuen 110 KV-Leitung zwischen Ahneby und Süderbrarup durch die Schleswig-Holstein Netz AG fanden im Sommer 2018 mehrere archäologische Ausgrabungen im Bereich der Bautrasse durch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein statt. Dabei wurde alten Hinweisen nachgegangen und neue Fundplätze entdeckt. Dazu zählen die Knochen eines Jahrtausende alten Auerochsen, verschiedene Urnengräberfelder der Eisenzeit aus den Jahrhunderten nach Christi Geburt und ein Grubenhaus der Wikingerzeit.

Zur Vortragenden: Dr. Stefanie Klooß studierte Ur- und Frühgeschichte, Botanik und Geologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort absolvierte sie auch die Ausbildung zum archäologischen Forschungstaucher. Sie arbeitete auf verschiedenen Ausgrabungen in den nördlichen Bundesländern und am Bodensee. Im Rahmen des Forschungsprojektes SINCOS war sie als Forschungstaucherin tätig und promovierte über die steinzeitlichen Holzfunde aus den Unterwassergrabungen an der Ostseeküste. Dann forschte sie an der Universität Kiel über Pflanzenreste aus der Jungsteinzeit in den Themenfeldern Landwirtschaft und Ernährung in prähistorischen Gesellschaften.
Seit 2016 ist sie im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein für die praktische Archäologie in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie für die Bereiche der Nord- und Ostsee zuständig.

Grabungsbesichtigung am Fundplatz Strande LA 163

Donnerstag, den 22.8.19 um 14:45 Uhr

mit Jonas Enzmann M.A.

 

Treffpunkt: Parkplatz/Campingmobilplatz am Leuchtturm Bülk. Die Teilnehmer werden dort abgeholt und zu Fuß geht es am Leuchtturm Bülk vorbei zur Pforte am Klärwerk. Fußmarsch von ca. 10 min (s. Anlage).

 

Unser AGSH-Mitglied Jonas Enzmann M.A. wird uns an der Landstation des Unterwasserfundplatzes teils spektakuläre Originalfunde, vor allem aus der diesjährigen Grabungskampagne, vorstellen. Grabungsbilder werden einen Eindruck der Befundsituation und der Arbeit vor Ort geben.

Gefunden wurden bisher u.a. menschliche Überreste, Sprossen von Aalstechern, Geweihäxte, Angelhaken, Fragmente eines Einbaums, Knochen verschiedensterer Meeresfische, See- und Landsäugetiere sowie Reste von Haselnüssen und Muscheln, Flintgeräte wie Beile, Klingen und Pfeilspitzen.

Jonas Enzmann ist uns bestens bekannt. Er hat 2016 für die Masterarbeit "Die Verbreitung der Drehmühlen aus Eifeler Basaltlava im nordwesteuropäischen Barbaricum während der Römischen Kaiserzeit". (Leitung: Prof. Dr. Carnap-Bornheim) den Archäologiepreis der AGSH erhalten.

Der Fundplatz  Strande LA 163 befindet sich auf dem Ostseegrund in sechs Metern Tiefe. Bereits die ersten Testgrabungen im Jahr 2012 belegten eine sehr gute Funderhaltung und erbrachten ein umfangreiches Fundinventar, insbesondere organische Funde, zu denen auch menschliche Überreste zählen. Typologische und naturwissenschaftliche Datierungen geben Hinweise darauf, dass der Fundplatz zwischen 5390 und 4750 v. Chr. genutzt wurde. Er datiert demzufolge in den akeramischen Abschnitt der Ertebøllekultur (Jäckelberg/Rosenfelde-Phase), für den bisher an der norddeutschen Ostseeküste nur wenige Nachweise von in-situ erhaltenen Funden existieren. Die Ufersiedlung lag am Rand einer Lagune; dort stellten Jäger, Fischer und Sammler Werkzeuge aus Flint, Knochen, Geweih und Holz her. Vor Ort hatten sie Zugang zu marinen und terrestrischen Nahrungsquellen.

Versunkende Steinzeit in der Ostsee: https://www.youtube.com/watch?time_continue=60&v=umHDBrG2_7o

 

Die praktische Durchführung der unterwasserarchäologischen Arbeiten und die wissenschaftliche Auswertung der Befunde und Funde obliegt dem, seit dem 01.04.2018 im Rahmen einer Doktorandenstelle am NIhK (Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung) tätigen,  wissenschaftlichen Mitarbeiter Jonas Enzmann M.A.

http://www.nihk.de/forschung/aktuelle-projekte/strande-erteboelle-kieler-bucht.html

 

Jonas Enzmann M.A. ist seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Niedersächsisches Institut für historische  Küstenforschung tätig, zunächst im Projekt "Der kaiser- bis völkerwanderungszeitliche Ufermarkt Elsfleth-Hogenkamp" und ab 2018 im Projekt „Subsistenzstrategien, Siedlungsstruktur und Kommunikation im Endmesolithikum am Beispiel einer submarinen Mikroregion in der Kieler Bucht“ (DFG-Projekt). Sein Weg zur Archäologie begann 2007 mit seinem Zivildienst bei der archäologischen und paläontologischen Denkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden. Nach einem Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und einem Wechsel an die Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz erhielt er 2012 den Bachelor of Arts (B.A.) an der philosophischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz. Thema: Der Seehandel im Ärmelkanal vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 3. Jh. n. Chr. aus Sicht maritimer Fundstellen.

2012-2016 folgte ein Masterstudium Prähistorische und Historische Archäologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Während dieser Zeit ließ er sich zum geprüften Forschungstaucher und daraufhin zum Taucheinsatzleiter für Forschungstaucheinsätze am Forschungstauchzentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausbilden.

2016 erfolgte der Studienabschluss Master of Arts (M.A.) an der philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Thema: Die Verbreitung der Drehmühlen aus Eifeler Basaltlava im nordwesteuropäischen Barbaricum während der Römischen Kaiserzeit.

Montag, den 30. September 2019

Vortrag: um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24864 Schleswig

 

Die Chronistik des Mittelalters: Fakten oder Fakes?
Adam, Helmold und ihre Kollegen kritisch hinterfragt


von Günther Bock (Großhansdorf)

 
Das Thema des Abends „Die Chronistik des Mittelalters: Fakten oder Fakes?
Adam, Helmold und ihre Kollegen kritisch hinterfragt“ kreist um die für die Geschichtswissenschaft existenzielle Frage der Verlässlichkeit schriftlicher Quellen. Da für das Mittelalter anfangs nur wenige Schriftquellen vorliegen, auf die sich auch weitgehend die Archäologie stützen muss, ergeben sich aufgrund der auf diese Weise erzielten Ergebnisse immer wieder Diskussionen um mögliche Neubewertungen. Diese betrafen jüngst den Baubeginn der Hamburger Neuen Burg – die aufgrund zahlreich gesicherter Dendrodaten erheblich früher entstand, als es der zeitgenössische Chronist Adam behauptet hatte – ebenso wie die Behandlung der slawischen Einwohner im Osten des Landes. Diese, so empfahl es der von christlichen Motiven geleitete Chronist Helmold von Bosau, sollte man mittels „ethnischer Säuberungen“ vertreiben. Tatsächlich ließ sich sein Text als durchweg parteiisch und vielen Passagen als nicht mit den historischen Realitäten vereinbar bewerten. Hinzu kommt der erhebliche Anteil nur abschriftlich oder gar gefälscht überlieferter Urkunden.
Als Kriterien für Untersuchung chronistischer Texte wurden andere Schriftquellen ebenso heran gezogen wie aktuelle Ergebnisse der Archäologie, der Namenskunde, der Siedlungsforschung und weiterer Disziplinen, die ihrerseits strukturellen Analysen und überregionalen Vergleichen unterzogen wurden. Bock geht zudem den Motiven der mittelalterlichen Autoren nach, die sich nicht immer durch übermäßige Wahrheitsliebe auszeichneten.

Zum Vortragenden: Günther Bock wurde 1948 in Hamburg-Wandsbek geboren. Neben langjährigen Tätigkeiten im Grafischen Gewerbe veröffentlichte er seit den 1970er Jahren zahlreiche Artikel zu historischen Themen, verfasste mehrere Monografien, nahm an diversen Projekten und Fachtagungen teil und betreibt eine rege Vortragstätigkeit.
Im Zentrum seiner stets quellen- und methodenorientierten Forschungen standen zunächst Untersuchungen über den Stormarner Raum während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Dabei erhielt die methodisch betriebene Quellenkritik zunehmende Bedeutung. So gelang ihm beispielsweise die Identifizierung des im 11. Jahrhundert vom Chronisten Adam von Bremen thematisierten sogenannten „Limes Saxoniae“ als Fälschung. Ebenso konnte er dem bis dahin überaus angesehenen Chronisten Helmold von Bosau diverse Falschaussagen zuschreiben. Zu diesen gehört nicht zuletzt die angebliche Gründung Lübecks 1143, das tatsächlich älter ist. Als Konsequenz fühlte Bock sich zu einer grundlegenden Neubewertung dieser Zeiten veranlasst. Diese erschien 2018 mit dem großformatigen Band „Adel, Kirche und Herrschaft – Die Unterelbe als Kontaktraum im europäischen Kontext des 10. bis 13. Jahrhunderts“.

Vortrag: Montag, den 28. Oktober 2019

 

 um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24864 Schleswig

 

Das Jungneolithikum in Schleswig-Holstein

 

von Sebastian Schultrich (Kiel)

 

Der Preisträger des Archäologie-Preises 2018 gibt uns Einblicke in seine prämierte Arbeit. Dazu gehört eine umfassende Studie zum Jungneolithikum (JN, auch Einzelgrabkultur, ca. 2850 – 2250 v. Chr.) in Schleswig-Holstein. Neben der Darstellung von Funden und Befunden dieser Epoche, liegt ein besonderer Fokus auf Analysen zu den charakteristischen Streitäxten.

 

Diese eignen sich in hervorragender Weise dazu, einen gesellschaftlichen Wandel zu erkennen, da die morphologische Variationsbreite im Laufe des JN zunimmt. So existieren im späten JN neben sehr elaboriert gestalteten Stücken auch plump wirkende Exemplare. Dies spiegelt vermutlich ein komplexer werdendes Gesell­schaftssystem wider und deutet einen Bedeutungswandel der Äxte an. Die Streitäxte werden im Spätneolithikum (SN) durch die Silexdolche abgelöst, die durch ähnliche Variationsunterschiede gekennzeichnet sind. Dies deutet eine Kontinuität in der sozialen Organisation an der Wende zum Spätneolithikum an.

Ein weiterer Fokus wurde auf die Transformation zum JN gelegt, die sich besonders im profanen Bereich als Phase kontinuierlicher Entwicklungen zeigt. Weiterhin wurde ein Unterschied zwischen dem Westen und Osten des Arbeitsgebietes aufgedeckt, der entgegen langläufiger Meinung keine chronologischen Ursachen besitzt. Vielmehr zeigt sich darin eine strukturell unterschiedliche soziale Orientierung der beteiligten Gruppen. Sowohl im JN als auch im SN ist es im Westen gängige Praxis, dem Verstorbenen Statusobjekte (Streitäxte, Silexdolche und frühe Bronzeartefakte) als Grabbeigabe mitzugeben, während diese Objekte im Osten des Landes äußerst selten Eingang in Bestattungen fanden, jedoch als Einzel- und im Falle der Bronzeobjekte auch als Depotfunde regelmäßig anzutreffen sind.

 

Zur Vortragenden: Sebastian Schultrich studierte Ur- und Frühgeschichte und Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort absolvierte er seinen BA und seinen MA. Diese Arbeit mit dem Titel „Das Jungneolithikum in Schleswig-Holstein“ wurde auf dem Tag der Archäologie 2018 von der AGSH mit dem Archäologie-Preis ausgezeichnet. Während seines Studiums arbeitete er auf verschiedenen Ausgrabungen im In- und Ausland und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Ur- und Frühgeschichte. Nach dem Master of Arts begann er im letzten Jahr mit seiner Promotion. 

 

https://www.sidestone.com/books/das-jungneolithikum-in-schleswig-holstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, den 25. November 2019

 

Vortrag: um 19.30 Uhr

 

im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein

Brockdorff-Rantzau-Str. 70

24864 Schleswig

 

Eine etwas „unarchäologische“ Sichtweise auf den Fundplatz des berühmten Nydambootes

 

von Karin Göbel (Schleswig)

 

Das hervorragend erhaltene kaiserzeitliche Ruderschiff aus Eichenholz – das Nydamschiff hat den südjütländischen Fundplatz „Nydam“ weltberühmt gemacht. Es wurde dort im Jahr 1863 von C. Engelhardt (1825-1881) entdeckt und ausgegraben. Im gleichen Jahr wurde kurz nach der Bergung des Nydambootes noch ein weiteres Schiff aus Kiefernholz geborgen, das jedoch nicht erhalten werden konnte. Von den Fundorten der beiden Schiffe sind nur sehr ungenaue Angaben überliefert. In den Jahren von 1989-1999 wurden deshalb im mutmaßlichen Bootsfeld unter der Leitung des dänischen Nationalmuseums auf einer Fläche von 550m² neue Grabungen durchgeführt. Mehr als 13000 neue Funde kamen dabei zum Vorschein, darunter auch viele Bootsteile. Es zeigte sich dabei, dass bei der Bergung der Schiffe im Jahr 1863 sehr eng um diese herumgegraben wurde, so dass der ursprüngliche Fundort der Schiffe anhand der nahezu fundleeren Bereiche und der gestörten Torfschichten im Grabungsfeld sehr genau rekonstruiert werden konnte. Für die Bearbeitung des umfangreichen Datenmaterials wird seit 2006 ein geografisches Informationssystem genutzt, das seitdem ständig mit Daten zu den Altgrabungen und aktuellen Forschungsergebnissen erweitert wird. Besonders die Erfassung der alten Grabungsdokumentationen stellt eine besondere Herausforderung an den Bearbeiter dar und häufig sind detektivische Fähigkeiten gefragt, um doch noch eine räumliche Zuordnung der Informationen zu ermöglichen. Dabei zeigt sich, dass der einzige zur Verfügung stehende Grabungsplan aus Nydam von C. Engelhardt aus dem Jahr 1859 doch sehr viel genauer ist, als ursprünglich gedacht wurde.

 

Zur Vortragenden: Karin Göbel studierte Geografie, Geologie und Bodenkunde in Kiel. Nach dem Studium arbeitet sie bei verschiedenen Firmen und bildete sich 2006 noch einmal an der Universität in Kiel fort (LeranGIS!) Seit diesem Jahr ist sie auch beim Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Schloss Gottorf beschäftigt und hat dort die Leitung der Abteilung GIS inne. Karin Göbel ist verheiratet und hat vier Kinder. Sie ist ehrenamtlich sehr aktiv.

Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

 

 

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